40 Jahre Verbindungs- und
Truppenübungsplatzkommando Grafenwöhr

zusammengestellt von Hauptfeldwebel Gerald Morgenstern

Serenade und Familiennachmittag am 16. Juli 1997

1997 feiert das Verbindungs- und Truppenübungsplatzkommando der Bundeswehr in Grafenwöhr sein 40jähriges Bestehen. Auf eine recht bewegte Geschichte kann das Kommando seit seiner Gründung in den Jahren 1956/57 zurückblicken.

Die weltpolitische Entwicklung im Jahre 1955 zwang die damals noch junge Bundesrepublik Deutschland sich mit der Aufstellung von Streitkräften zu befassen. In Andernach wurden die ersten Soldaten eingezogen. Was lag näher, als den seit 1910 bestehenden und 1937/38 erweiterten Truppenübungsplatz Grafenwöhr, der seit 1945 unter amerikanischer Verwaltung steht, in das Konzept der vollkommen neu gegründeten Bundeswehr einzubeziehen.

Unter der Bezeichnung "Der Bundesminister der Verteidigung - Verwaltungsstelle Grafenwöhr" trat die Bundeswehr am 16. Juli 1956 erstmals in Grafenwöhr in Erscheinung. Aus dieser Dienststelle entwickelte sich die "Standortverwaltung Grafenwöhr" die StOV. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben wurde den Männern der ersten Stunde das verwahrloste Gebäude 449 zur Verfügung gestellt. Zwei Tage später wurde die Bundeswehrverwaltung auf Anordnung der US-Kommandantur wieder an die frische Luft gesetzt, da keine Order für eine solche Einrichtung in Grafenwöhr vorlag. Quartier fand die Bundeswehr im Anwesen Hausmann gegenüber der Micky-Bar. Leiter der StOV war Oberstabszahlmeister a. D. Friedrich Kärcher, es kam zur Einstellung der ersten zivilen Mitarbeiter. Am 3. August 1956 trafen Major von Detten als Kommandant der kleinen Standortkommandantur und zwei weitere Feldwebel in Grafenwöhr ein. Gleich darauf wurde nun endgültig das Gebäude 449 bezogen und am 6. August 1956 der volle Dienstbetrieb aufgenommen. Weitere Bundeswehrsoldaten kamen nach Grafenwöhr. Im Laufe des Spätsommers kam es in Grafenwöhr zur Aufstellung des Stabes der 5. Panzerdivision, der im Frühjahr 1957 nach Koblenz verlegt wurde. Im Februar 1957 fand das erste Schießen der Bundeswehr in Grafenwöhr statt. Um die Belange der übenden Truppe bezüglich der Schießbahnen und Übungsraumverteilung gegenüber der US-Kommandantur besser zu vertreten, wurde am 1. 12. 1957 eine "Verbindungsstelle" geschaffen, die im Gebäude 621 ihr Domizil fand. Mit der Wahrnehmung dieser Truppenbelange beauftragte man Hauptmann Lohmüller. Dies war die offizielle Gründung des Verbindungskommandos".

Teilweise mit eigenem Werkzeug bauten die zivilen Mitarbeiter Otto Stopfer, Johann Regler, Erwin Schnödt, Wolfgang Rettinger (er ist als einziger noch im aktiven Dienst und gehört dem Verbindungskommando seit 1958 an), Franz Widmann, Alfred Amschler und Hans Heindl den Scheibenhof auf. Die Jahre 1958 und 1959 waren geprägt von ständig wechselnden Übungstruppenteilen der Bundeswehr und auch des Bundesgrenzschutzes. Ebenso erfolgte in Grafenwöhr die Erstaufstellung weiterer Bundeswehreinheiten. Zu Zeiten des Leiters Oberstleutnant (OTL) Rubner wurde 1960 die vertragliche Übernahme von Unterkunftsreihen und Großküchen im Lager Normandie für die dauernde Nutzung durch die Bundeswehr festgeschrieben. Im April 1962 übernimmt OTL Königsstein das Kommando, unter ihm werden die ersten Schießbahnen für die Bundeswehr ausgebaut. OTL Königstein nimmt Verbindung mit allen Einheiten in süddeutschen Raum auf um eine ganzjährige Belegung zu erreichen, er setzt sich auch für eine weitere Personalaufstockung ein.

Bis 1968 kann eine zunehmende Truppenbelegung verzeichnet werden. Immer mehr Schießbahnen werden von der Bundeswehr mit beweglichen Zielanlagen versorgt, die Truppe erhält eine dritte Übungspriorität. Überschattet wurde das erfolgreiche Wirken des VKdo´s vom tragischen Schießunfall, bei dem der Schießbahnarbeiter Hans Heindl 1969 ums Leben kam. 1978 werden die Diensträume des Kommandos vom Gebäude 621 in das Gebäude 500 verlegt. Im Februar 1995 wird wiederum das alte StOV-Gebäude 449 bezogen. In den 80er Jahren steht unter OTL Alois Bökler der Neubau des Scheibenhofs in Planung. Die modernen und großzügig errichteten Gebäude mit Scheibenwerkstatt, Schlosserei, Schreinerei, Werkstätten, Sozialräumen, Tankstelle und Lager werden in den Jahren 1984 bis 1987 ihrer Bestimmung übergeben.


Soldaten und zivile Mitarbeiter des Verbindungs- und Truppenübungsplatzkommandos im März 1970.


Vertraglich wird festgelegt, daß außerhalb der Bundeswehrprioritäten das Zielbaupersonal des VKdo’s auch US-Truppen und Soldaten anderer Nationen auf festzugeteilten Bahnen betreut. Mit dem neuerlichen Ausbau der Schießbahnen ab dem Jahr 1982 durch die US-Armee und auch die Bundeswehr wird der Truppenübungsplatz Grafenwöhr zum modernsten Übungsareal in Europa.

Leiter des Vkdo´s. Als langjährige Feldwebeldienstgrade im Verbindungskommando seien die Feuerwerker und Stabsfeldwebel a. D. Franz Zapf und Manfred Widmann sowie der ehemalige S4, Stabsfeldwebel a. D. Alfons Fenzl, genannt. Den größten Personalstand erreichte das Vkdo mit 24 Soldaten, darunter 17 Feuerwerker, und 81 zivilen Mitarbeitern. Eng verknüpft mit der Geschichte des Verbindungskommandos ist die Entwicklung der StOV, die seit 1995 eine im Personalumfang reduzierte Außenstelle der Standortverwaltung Amberg ist. Zahlreiche Übungs- und Schießvorhaben der Truppe wurden in der Zeit des 40jährigen Bestehens durch die Soldaten und zivilen Mitarbeiter des Vkdo´s vorbereitet und durchgeführt. Genannt seien der Rommelpreis 1966, Schießen verbundener Waffen bis Bataillonstärke, das CAT-Schießen oder der jüngste Erstlingsflug der Aufklärungsflugkörpers "Drohne".


Im November 1965 traten die "Angehörigen der kleinen Stammabteilung der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz" im Scheibenhof anläßlich des 10. Jahrestages der Bundeswehr an. Bild: Erich Spahn

In Spitzenzeiten erreichte die Übungstruppe der Bundeswehr auf dem Platz eine Kapazität von über 600000 Manntagen im Jahr. Für diese Truppenteile schuf man in Zusammenarbeit mit der US-Kommandantur und der StOV die Voraussetzung für einen reibungslosen Schieß- und Übungsbetrieb, vor allem in der Einplanung sowie der Schießsicherheit auf den mannigfaltigen Einrichtungen des Platzes sichergestellt. Fachkundiges Personals sowie ein Funktionsapparat mit Großgerät in der Fahrbereitschaft, die Scheibenfertigung, sowie Arbeiten in den Werkstätten und die Betreuung und Instandhaltung der zugeteilten Schießbahnen stellen den Dienstbetrieb des Kommandos sicher. Die Wahrnehmung von Standortaufgaben, darunter auch ein erheblicher Anteil an Öffentlichkeitsarbeit in Form von Besucherführungen ergänzt den Auftrag des Kommandos. Eine über 10jährige Patenschaft

verbindet die Dienststelle mit dem "Soldaten, Reservisten und Kameradschaftsbund Grafenwöhr" und der 2nd US-EOD Kompanie, den amerikanischen Feuerwerkern auf dem Übungsplatz.

 

 

Mit der Wiedererlangung der Souveränität im Jahre 1990 wurde der Umfang der Bundeswehr und somit das Übungspotential erheblich reduziert. 1993 erreichte das Verbindungskommando die Hiobsbotschaft der Auflösung. Ein politischer Kraftakt und das Zusammenwirken aller Kräfte sorgten für den derzeitigen Erhalt der Bundeswehr in Grafenwöhr. Ein schleichender Personalabbau auf momentan 18 Soldaten (11 Feuerwerker) und 60 zivilen Mitarbeitern sowie die reduzierte Nutzung mit 60000 Manntagen pro Jahr gingen mit dieser Entwicklung einher. Eine Neuregelung der Abkommen zum Nato-Truppenstatut sieht künftig die Einrichtung eines "Deutschen Militärischen Vertreters" (DMV) vor, dem eine reduzierte Komponente des bisherigen Verbindungs- und Truppenübungsplatzkommandos angegliedert werden soll. Die Installation dieser Dienststelle wurde noch für 1997 in Aussicht gestellt, was letztendlich für die künftige Sicherheit der Arbeitsplätze des noch verbliebenen Personals dringend erforderlich ist.

Serenade auf dem Marktplatz und Familiennachmittag

Mit einer Serenade des Heeresmusikkorps 4 auf dem Marktplatz feiert das Verbindungskommando zusammen mit der Stadt am Mittwoch, 16. Juli 1997 um 20 Uhr, das 40jährige Bestehen. Dazu ist die Bevölkerung herzlich eingeladen.

Am Nachmittag, ab 13.15 Uhr, wird bei einem Familientreffen im Scheibenhof aktiven und ehemaligen Angehörigen des Verbindungskommandos zusammen mit geladenen Gästen und Angehörigen von Behörden Firmen und Dienststellen die eng mit dem Vkdo zusammenarbeiten, die Möglichkeit gegeben, Erinnerungen auszutauschen.

 


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